Idee für eine neue Mutterrolle: Mehr Pippi und weniger Annika

Wo ist nur mein Pippi-Gefühl?

Ging es dir auch so? Als Kind habe ich die Pippi Langstrumpf Bücher und Filme geliebt. Allein die Vorstellung, dass die Erwachsenen keine Macht über Pippi hatten, sie ins Bett gehen konnte wann sie wollte, sie essen konnte was sie wollte und reich genug war, um sich alles kaufen zu können, was ihr Herz begehrt. Ich wollte so gern Pippi sein!

Sie hat das Leben von Annika und Thomas kräftig durcheinander gewirbelt, hat sie zu Dingen angestiftet, die beide alleine nie angefangen hätten und selbst die Eltern von Annika und Thomas waren beruhigt und sorglos, denn sie haben Pippi vertraut. Obwohl sie ja alles andere als konventionell und sicherheitsbewusst war!

Ich wollte so gerne Pippi sein als Kind.

Jetzt bin ich schon eine ganze Zeit erwachsen. Ich kann ins Bett gehen wann ich will, ich kann Essen was ich will und ich verdiene soviel Geld, dass ich mir auch sehr, sehr viel leisten kann. Warum stellt sich, verdammt noch mal, einfach nicht das Pippi Gefühl ein? Ich sollte schreien vor Glück und zwar nicht nur, wenn ein Paket mit Schuhen vor der Tür steht. Doch in meiner Mutterrolle habe ich mich eher zu einer Annika entwickelt.

Pippi-Feeling statt Perfektion

Stattdessen schreie ich oft genug meine Kinder an («Wie oft habe ich schon gesagt, du sollst deine Jacke wegräumen…») und bin Sekunden danach bereits deswegen im Würgegriff des schlechten Gewissens. Ich sage gemeine Sachen zu mir selbst («wie kann man nur so aggressiv sein, du bist echt eine schlechte Mutter…») und während ich eigentlich zufrieden sein könnte, dass ich die Geburtstagsparty für Henrik (5 Jahre) so toll organisiert habe, ärgere ich mich darüber, dass ich seinen Geburtstagskuchen nicht auf das Fußballmotto abgestimmt habe.

Aus der Rolle fallen

Was hat mir an Pippi so gefallen? Ich glaube, dass es ihr egal war, was andere von ihr dachten. Sie war ihr eigener Maßstab und hatte überhaupt kein Problem damit aus der Rolle zu fallen. Sie hat nichts getan, nur weil andere das von ihr erwartet haben. Trotzdem hatte sie viel Spaß daran, anderen eine Freude zu machen. Weil es sie glücklich gemacht hat, nicht weil sie Dank erwartet hat. Sie hatte hundertprozentiges Zutrauen in ihre Fähigkeiten, auch wenn das auf andere Leute seltsam gewirkt hat. Heute würde man wahrscheinlich sagen, sie ist zentriert.

Einfach anders zulassen

Wenn ich diese Pippi-Qualität in mein Leben und auch in meine Mutterrolle bringen will, dann schüttele ich als erstes mal meinen inneren Kontrolleur ab, der immer sagt: „was sollen denn die Leute dazu sagen, wenn…“ und erkläre ihm ganz höflich, dass es nicht so wichtig ist, was andere denken. Ich kann die verrückten Einfälle meiner Kinder wie sie z.B. ihre Nudeln essen wollen (mit Zucker, igitt oder mit Maggi, bäh) zulassen und mich über ihre Gesichter amüsieren, wenn der Geschmack doch nicht so lecker ist, wie erwartet. Und mir das „habe ich dir doch gleich gesagt“ verkneifen.

Klein anfangen

Ich fang mal ganz langsam an. So mit einer verrückten Pippi Stunde in der Woche. Das ist dann die Zeit, wo ich mich nur damit beschäftige, was mir jetzt Spaß machen würde. Etwas, dass ich vielleicht noch nie ausprobiert habe. Ich höre auf zu wissen, was geht und was nicht, sondern lasse mich von den Möglichkeiten, die sich bieten überraschen. Im Buddhismus nennt man das den „Anfängergeist“. Mein Gott, war Pippi weise. Aber auf so eine herrlich Art und Weise, ohne Zeigefinger und Erleuchteten-Gesicht.

Ich freue mich schon auf meine Pippi Zeit. Und ich bin sicher, die Kinder werden sie auch genießen. Wenn du Lust hast, dann schreib´ mir doch mal, was du in deiner Pippi-Zeit machst!

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